SVEN – Ein auf Car­sharing optimiertes Gesamt­fahrzeug­konzept

Personal Public Vehicle (PPV)

23. Januar 2019 | Engineering Service

Mit wachsender Urbanisierung sehen sich Städte zunehmend mit Staus, Luftverschmutzung und einem Mangel an Parkmöglichkeiten konfrontiert. Das führt dazu, dass Städte Fahrverbote und städtische Mautgebühren einführen. Die Kosten eines eigenen Fahrzeugs in der Stadt steigen dadurch kontinuierlich an. Carsharing kann diese Probleme lösen,jedoch bedarf es dafür geeigneter Fahrzeuge. SVEN, als Nachfolger des im vorherigen Artikel beschriebenen PPV 1.0, ist genau für diese Problemstellung konzipiert worden. Er wird von dem Aachener Unternehmen share2drive in Zusammenarbeit mit FEV entwickelt.

Von links: Klaus Wolff (Bereichsleiter Fahrzeugentwicklung/FEV) und Markus Volm (CEO/share2drive)

SPECTRUM sprach mit Markus Volm (CEO/share2drive) und Klaus Wolff (Bereichsleiter Fahrzeugentwicklung/FEV) über die Hintergründe und Potenziale von dem Gemeinschaftsprojekt „SVEN“.

Was genau ist SVEN und wie kam es zu diesem Namen?

Volm: Die Buchstaben im Namen SVEN stehen für „Shared Vehicle Electric Native“. „Shared Vehicle“ bedeutet, dass die Fahrzeugflotte von SVEN von der städtischen Bevölkerung geteilt, also gemeinsam genutzt werden kann. „Electric Native“ bedeutet, dass das Fahrzeug rein elektrisch angetrieben wird und somit emissionsfrei ist – insbesondere für städtische Bereiche und Ballungsräume ist das wichtig und nachhaltig.

Wann ist die Idee zu SVEN entstanden und wie setzte sich die Entwicklung dann fort?

Volm: Die Idee zu diesem Fahrzeug entstand vor knapp acht Jahren in Zusammenarbeit mit der FH Aachen. Wir suchten nach einer Lösung, den heutigen Anforderungen der Menschen an die Mobilität in der Stadt gerecht zu werden. Mit der Zeit merkten wir aber, dass wir als „Newcomer“ neben der Idee auch starke Partner mit den nötigen Branchenkenntnissen brauchen, um SVEN auf den Markt zu bringen. Mit FEV haben wir seit nunmehr knapp zehn Monaten einen solchen Partner an unserer Seite, der uns bei der Gesamt­entwicklung von SVEN entscheidend weiterhilft und das Projekt voranbringt.

Wie kam es zu der Zusammenarbeit zwischen share2drive und FEV?

Wolff: Aachen gilt als technologische Hochburg für Mobilität in Deutschland und share2drive hat sich in dieser Region mit dem ambitionierten Konzept von SVEN bereits einen Namen gemacht. FEV wiederum ist als Entwicklungsdienstleister von Gesamtfahrzeugen immer auf der Suche nach neuen Mobilitätsansätzen und -lösungen für die Zukunft. Sehr schnell wurde deutlich, dass FEV die Entwicklung von SVEN entscheidend professionalisieren und vorantreiben kann. Wir sind so überzeugt von SVEN, dass wir die share2drive GmbH inzwischen sogar in die FEV Group eingegliedert haben.

Worin sehen Sie die Vorteile von Carsharing?

Volm: Carsharing schließt die Lücke zwischen Individual- und öffentlichem Personennahverkehr. Man spart sich durch das Teilen von Fahrzeugen innerhalb der Bevölkerung die fixen Kosten, wie sie beim Besitz eines eigenen Autos anfallen. Gleichzeitig bewahrt man aber die Flexibilität, jederzeit an jeden beliebigen Ort fahren zu können – ohne vorgegebene Abfahrtszeiten und Routen.
SVEN ist dafür die perfekte Lösung. Und Carsharing ist eine kosteneffiziente Möglichkeit, um von A nach B zu gelangen – ohne laufende Kosten.

Worin unterscheidet sich SVEN von anderen Carsharing Angeboten?

Volm: Wir verfolgen mit SVEN einen neuen Ansatz, indem wir uns angeschaut haben, welche Anforderungen und Bedürfnisse heutzutage in der Stadt an ein Carsharing-Fahrzeug gestellt werden. So ist SVEN extrem kompakt, wodurch er agil zu fahren ist und praktisch in jede Parklücke passt – sogar quer, was durch seine Fahrzeuglänge von nur 2,5 m möglich ist. Eine Schiebetür ermöglicht dabei selbst bei wenig Platz einen bequemen Ein- und Ausstieg. Gleichzeitig kann er trotz seiner kompakten Maße bis zu drei Personen befördern, bietet dank Kofferraum und umklappbaren Sitzen aber auch Einkäufen oder größerem Gepäck genügend Platz. Das ist bisher einmalig.

Wolff: Wir haben bei der Entwicklung sehr viel Wert auf eine kostengünstige und leichte Reparatur von „Einparkschäden“ gelegt, um die für Carsharing wichtigen Betriebskosten deutlich zu senken. Außerdem haben wir darauf geachtet, dass das Fahrzeug in der Bedienung extrem einfach und somit wirklich für jedermann geeignet ist. So haben wir beispielsweise die Anzahl der Bedienknöpfe im Fahrzeug auf ein Minimum reduziert und insgesamt auf eine intuitive Bedienung Wert gelegt. Da SVEN komplett elektrisch fährt, erfüllen wir auch ein weiteres Anforderungsprofil: emissionsfreie Mobilität und damit saubere Luft in der Stadt und ein nahezu geräuschloses Fahren. Womit wir außerdem Maßstäbe setzen wollen: SVEN ist darauf vorbereitet, in Zukunft zum Beispiel auch autonom einzuparken und so Zeit für die Fahrgäste einzusparen.

Wie bringt FEV seine Kompetenzen bei SVEN konkret mit ein?

Wolff: Wir unterstützen share2drive hier in den unterschiedlichsten Bereichen wie Karosserie, Interieur, Fahrwerk sowie Antrieb und können auf eine sehr gute Planung aufbauen. Neben diesen Themen helfen wir auch bei der Integration von ADAS-Komponenten zur Vorbereitung auf das autonome Fahren von SVEN. Außerdem integrieren wir Systeme zur Vernetzung des Fahrzeugs, so dass die Kommunikation mit anderen Fahrzeugen gewährleistet ist und SVEN die Bedürfnisse seiner Fahrer schon vor Fahrtantritt berücksichtigen kann; etwa die gewünschte Temperatur im Fahrzeug, die auf den Fahrer abgestimmte Sitzposition oder die Lieblingsmusik. Hinzu kommen einige weitere Aspekte, zum Beispiel unterschiedliche Nutzungsmodelle innerhalb des Carsharings oder das bargeldlose Bezahlen.

Wann kommt SVEN auf den Markt?

Volm: Schon in zwei bis drei Jahren werden wir ihn auf den Straßen sehen. Bereits im kommenden Frühjahr werden wir SVEN auf dem Genfer Automobilsalon der breiten Öffentlichkeit vorstellen, im Herbst 2019 planen wir dann einen fahrbaren Prototypen zu präsentieren.

Vielen Dank für das Gespräch.

SVEN definiert Urbane Mobilität neu:

  • Höchstgeschwindigkeit: 120 km/h
  • 0-50 km/h: 5 s
  • 0-100 km/h: 15 s
  • Max. Reichweite (NEFZ): 120 km
  • Min. Reichweite: 80 km
  • Fahrzeuglänge: 2,5 m
  • Fahrzeugbreite: 1,75 m
  • Fahrzeughöhe: 1,65 m
  • Wendekreis: 8 m
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